Quelle:Hohenwestedter Anzeiger vom 29.06.2000

Trommelwirbel und Flötenkonzert begeisterten trotz Regen

Landesmusikfest endete unplanmäßig in der Halle

Hohenwestedt  (hb)  Drei Tage lang stand Hohenwestedt ganz im Zeichen der Blas- und Spielmannszugmusik. Zum 31. Landesmusikfest trafen sich am vergangenen Wochenende 37 Spielmanns- und Fanfarenzüge und Blasorchester aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Wenngleich die Mecklenburger aus Kostengründen lediglich den Fanfarenzug Lübz entsendeten, so war es doch auch das Landesmusikfest des dortigen Musikerverbandes. Der schleswig-holsteinische Lan-desverbandsvorsitzende Wolfgang Roggatz lobte die erstklassige Vorbereitung und Organisation der Großveranstaltung, die den ausrichtenden MTSV-Spielmannszug seit über einem Jahr in Atem hielt. Federführend war es Spartenleiter Martin Plorin, der sich um die Feinheiten der Planungen kümmerte. Diese hatte lediglich ein Manko, wie Bürgermeister Stefan Landt am Ende des Spektakels feststellen mußte: das Wetter. Regengüsse während der Marschwertung auf dem Sportplatz im Stadion sorgten für Unterbrechungen.
Und unkalkulierbares Wetter am Sonnabend veranlaßte die Veranstalter schließlich, den geplanten großen Umzug mit allen Gruppen durch den Ort abzusagen. Stattdessen trafen sich die Gruppen in der Sporthalle der Grund- und Hauptschule zum gemeinsamen Spiel und der Bekanntgabe der Bewertungen. Unter dem Regen litten auch teilweise die Platzkonzerte im Ort. Nicht so bei der Firma Wandmaker: Dort verlegte man das Konzert kurzerhand in den Verkaufsraum und mußte feststellen, daß die Akustik des Supermarktes durchaus akzeptabel ist.
Im Mittelpunkt des Landesmusikfestes standen natürlich die Bewertungen. In der Marsch- und / oder der Konzertwertung konnten die Gruppen Punkte sammeln. Beim Kritikspiel wurden lediglich Tips und Hinweise für den künftigen Übungsbetrieb gegeben. Bei den Bewertungen war festzustellen, daß sich die Spielmannszüge längst vom Image der flötenden und trommelnden Marschgruppen gelöst haben und durchaus auch in der Lage sind, konzertante Musik zu spielen. Die Ernsthaftigkeit dieser Musikrichtung wird allein schon dadurch dokumentiert, daß die zahlreichen Lehrgänge sogar bei einem eventuellen späteren Musikstudium anerkannt werden.
Neben den Bewertungen, die im Sport- und Jugendheim und im Stadion durchgeführt wurden, bot der veranstaltende MTSV auch ein buntes Rahmenprogramm für die Bevölkerung.
Nach der feierlichen Eröffnung am Freitag gab es eine Disco für die Teilnehmer. Samstag und Sonntag standen mehrere Platzkonzerte in Hohenwestedt, Mörel und Wapelfeld auf dem Programm. Ein Höhepunkt war das Konzert des Blasorchesters Lägerdorf und der Bläserharmonie Kiel in der Peter-Pauls-Kirche. Die Landesmusikjugend lud ins Aktionszelt und eine Ausstellung wertvoller Musikinstrumente ließ bei vielen Musikern heimliche Wünsche aufkommen. Auch ein Jazzkonzert durfte nicht fehlen.
Restlos gefüllt war die Sporthalle der Grund- und Hauptschule zum bunten Abend am Sonnabend. Bis kurz vor Mitternacht lief dort ein buntes Programm ab, das einerseits von einigen Musikgruppen, aber auch von "eingekauften" Künstlern bestritten wurde. Der Wechsel zwischen Show, Musik und Komik gefiel den vielen hundert Zuschauern derart, so daß die im Anschluß geplante Disco erste eine Stunden später beginnen konnte.
Nachdem am Sonntag alle Bewertungen abgeschlossen und die Gruppen in der Sporthalle Aufstellung genommen hatten, stand die Siegerehrung an. "Alles war perfekt organisiert. Und das mit dem Wetter kriegen wir irgendwann auch noch mal hin", sagte Stefan Landt. Der außerordentlich hohe Publikumszuspruch zeige, daß das Interesse an dieser Musik groß ist und die Region ein guter Gastgeber sei. Dem stimmte auch Martin Plorin zu und bemerkte, daß er viele Äußerungen aufnahm, wonach eine solche Veranstaltung selbst in vielen Städten nicht machbar wäre. "Wir haben selten ein so gut organisiertes Musikfest erlebt. Es waren viele Helfer da und überall hatten wir kompetente Ansprechpartner", freute sich auch der Vorsitzende des Landesverbandes, Wolfgang Roggatz.
Am Ende gab es die heißersehnten Bewertungen und Urkunden. Dabei schälte sich einer der Favoriten schnell zum erstmals ermittelten Landesmeister heraus. Der Spielmannszug Bredstedt wurde als amtierender Bundessieger im Orchesterwettbewerb nun auch Landesmeister beim Landesmusikfest. Mit dem Prädikat "Ausgezeichnet" in Marsch- und Konzertbewertung konnten Stabführerin Kirsten Milde und Dirigent Marc Johannsen den riesigen Wanderpokal entgegennehmen.
Wolfgang Roggatz gab den Musikern zum Abschied auch gleich den Termin für das nächste Landesmusikfest mit: Vom 22. bis 24. Juni 2001 treffen sich alle auf der Insel Rügen in Saßnitz wieder.